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Laufen, Landschaft, Leben – Fotografie mit der Ricoh GR IV

vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

Es gibt Kameras, die begleiten einen nicht nur – sie hinterlassen eine Lücke, wenn sie gehen. Wer die Ricoh-GR-Reihe kennt, weiß um ihre fast schon magische Anziehungskraft. Doch der Weg zur aktuellen Ricoh GR IV war bei mir von Abschieden, kleinen Verzweiflungen und einer strategischen Umstrukturierung der fotografischen Kriegskasse gepflastert.



Der Schmerz des Abschieds und die Sehnsucht der Nachfolge

Bereits die Ricoh GR I und die GR III gehörten zu meinen treuen Begleitern. Doch mit letzterer verband mich eine Hassliebe: Ein bestimmter Schalter trieb mich regelmäßig in den Wahnsinn, weil ich ihn im Eifer des Gefechts immer wieder aus Versehen drückte. Schweren Herzens trennte ich mich von ihr und gab sie in guten Händen an Henning Schmidt – besser bekannt als Graf Schnackenburg – ab. Ein Abschied mit einem wirklich weinenden Auge.

Als Ricoh dann die GR IV ankündigte und mein Freund Benedikt Brecht sofort zuschlug, regte sich unverkennbar der Neid. Die enorme Knappheit bei der Markteinführung trieb die Gebrauchtpreise rasant in die Höhe, sodass die Kamera zunächst in unerreichbarer Ferne schien.


Die Kriegskasse und der Deal

Doch knapp ein Jahr nach dem Erscheinen kam die Wende. Ich trennte mich von einer ganzen Reihe schwerem Canon-Equipments – von der bewährten 5D Mark III bis hin zum 100-400mm-Teleobjektiv. Insgesamt sechs Utensilien wanderten ab und spülten exakt 1.200 Euro in meine fotografische Kriegskasse. Eine geprüfte, gebrauchte Ricoh GR IV stand beim Händler MPB für 1.249 Euro im Netz. Mit schlappen 50 Euro Zuzahlung war die Sache besiegelt (dass man MPB heute wohl eher nicht mehr uneingeschränkt weiterempfehlen mag, ist freilich eine andere Geschichte).


Die wahre „Immerdabei“: Kleiner als ein Smartphone

Seit sie da ist, feiere ich diese Kamera. Mehr noch: Sie hat sich den Status der absoluten Immerdabei-Kamera im Sturm erobert und das Smartphone längst verdrängt. Sie ist schlicht kleiner und handlicher, aber liefert eine Bildqualität, die in jeder Lebenslage greift. Ob beim Laufen, bei der Hunderunde, beim Einkaufen oder mitten im Schuldienst – sie ist dabei.

Besonders beim Hundespaziergang mit angeleinten Hunden ist die Einhandbedienung ein unschätzbarer Vorteil. Auch der Selbstauslöser ist genial gelöst: Er ist blitzschnell erreichbar, und dank ihrer Form steht die Kamera auch ohne Stativ hochkant absolut sicher auf jedem Untergrund. So wurde sie zum ständigen Dokumentar unseres Halbmarathon-Projekts mit meiner Frau Maren, begleitete meine Radtouren, Hunderunden und dient mir längst als Hauptkamera für die Streetfotografie.



Optik, Schwarzwerte und der Modus des hohen Kontrasts

Technisch ist dieses 28mm-Weitwinkelobjektiv mit Offenblende 2.8 und ISO-Reserven bis 12.800 ein echtes Kraftpaket. Was mich besonders fasziniert: Sie bildet Schwarztöne kompromisslos als echte Schwarztöne ab. Im täglichen Einsatz ist sie bei mir deshalb fast ununterbrochen im Hi-BW-Modus (dem High-Contrast-Schwarzweißmodus) im Einsatz, der den Kontrasten eine unverkennbare, grafische Wucht verleiht. Sie liefert damit nicht nur eine ausdrucksstarke Schwarzweißfotografie, sondern im Farbmodus ebenso Aufnahmen mit einem enormen Dynamikumfang. Selbst um 6 Uhr morgens in der grauen Dämmerung liefert sie ab. Und die Schärfe stimmt so sehr, dass selbst kleinere Ausschnitte noch problemlos auf einem A4-Blatt ausgedruckt werden können, ohne dass die Qualität einbricht.


Neuer Blick: Von Dante Sisofo und dem Flux-Generator

Nicht nur die Technik, auch die Begegnung mit der Handschrift anderer hat meine Fotografie in dieser Zeit verändert. Das bewusste Kennenlernen des Fotografen Dante Sisofo und die Auseinandersetzung mit seinem Flux-Generator haben meinen Blick geweckt und meine Art, Momente visuell zu sezieren, noch einmal nachhaltig beeinflusst. Sowohl diese Kamera als auch Dantes Art zu fotografieren haben mir auf schmerzhafte wie schöne Weise bewusst gemacht: Die Fotografie ist für mich die Möglichkeit schlechthin, mein eigenes Leben zu dokumentieren und gleichzeitig in einen echten, tiefen Kontakt mit meiner Umwelt zu treten. Es geht darum, genau wie Dante aus etwas völlig Banalem – wie etwa dem einsamen Baum am Rande des Kartoffelfeldes – etwas Besonderes, fast Magisches zu kreieren. Vor diesem Hintergrund und aus diesem Geist heraus habe ich mir konsequenterweise meinen eigenen Zine-Generator gebaut: den Emmixx-Zine-Generator 8000. Fotografie ist eben nicht nur das Drücken eines Auslösers, sondern das Verstehen von Rhythmus, Kontrast und greifbarer Form.


Bewährungsprobe im Alltag

Selbst in der Schule, in meiner Foto-AG, hat sie sich bewährt: Obwohl 28mm gewiss keine klassische Porträtbrennweite sind, haben wir sie beim Stundenthema Porträts erfolgreich eingesetzt – der Beweis, dass die Beschränkung auf das Wesentliche oft die kreativsten Ergebnisse freisetzt.

Manchmal muss man sich von altem Ballast trennen, um den Raum zu finden, der das Wesentliche erst richtig scharf stellt. Die Ricoh GR IV ist genau dieses Werkzeug geworden: unaufdringlich, kompromisslos und immer griffbereit.

 
 

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