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Meine Depression in einem Fotobuch?

 Am letzten Wochenende war ich auf einem Fotobuchworkshop zu dem Thema Storytelling in der Fotografie. Was das mit meiner Depression zu tun hat?

Zum ersten Mal seit über 13 Jahren bin ich über Nacht "freiwillig" von zu Hause weg gewesen, keine krankheitsbedingte Übernachtung in der Psychiatrie, keine Klassenfahrt. Nur aus einem Grund: Ein Fotoworkshop von Abenteuer Reportagefotografie zur Selbstfürsorge. Den Workshop hatte ich vor einem dreiviertel Jahr gebucht - aber, dass ich diese Wegfahrt von zu Hause als Hinfahrt zu mir selbst nicht nur begreifen, sondern auch fühlen konnte, war eine schwere Herausforderung, die mir auch im Ergebnis nur teilweise gelungen ist. Ich hatte im Vorfeld und auch während meines Wochenendtrips zeitweise ein wirklich an mir zehrendes schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau, von der mein Gewissen glaubte, dass ich sie zu Hause mit allem im Stich lasse, nur um einen überflüssigen Fotobuchworkshop zu machen.

Uns beiden fiel die Trennung schwer. Aber ohne die bewusste und reflektierte Übung werden solche Situationen nicht überwunden. Wir hätten uns die Situation einfach machen können: Ich hätte das Hotel und die Fahrt stornieren können. Dann wäre ich nicht gefahren. So wie vor etwa 10 Jahren: Da wollte ich einen Freund in Jena besuchen und Maren brachte mich nach Hannover zum Bahnhof - die Fahrkarte hatte ich schon gekauft. Meine Angst, Maren allein zu lassen (und damals hatten wir noch keine Hunde, Hühner etc.) war zu groß, sie hat mich noch überwältigt und ich bin aus dem schlechten Gewissen heraus nicht gefahren.

Also: Die ersten anderthalb Tage in Köln waren in Bezug auf meine Schuldgefühle erträglich, ich bin sehr früh aufgestanden und zum Rhein und in die Stadt marschiert, um Fotos zu machen. Anschließend dann mit den anderen Teilnehmern zum Fotobuchworkshop von Abenteuer Reportagefotografie mit Kai Behrmann und Sebastian H. Schroeder. Das hat mir viel viel Freude gemacht und ich bereue am Ende trotz schlechtem Gewissen nicht, in Köln gewesen zu sein.

Am zweiten Tag des Workshops ging es um die Fotobuchprojekte der Teilnehmer. Meine autobiografische Idee bestand darin, gute Streetfotos der letzten Jahre mit autobiografischen Geschichten eines Protagonisten namens Till in eine Handlungsreihenfolge zu bringen. Um es kurz zu machen: Das Konzept (1) ist stark überarbeitungswürdig, denn die Handlung ist nicht genügend ausgeschärft und die Fotos sind zu plakativ, d.h., sie erzählen zu den Geschichten nichts Neues.

 

Zum Workshop und was er mit mir gemacht hat: In diesem Workshop ging es ja um das Thema Storytelling, also die Frage, wie man mit Fotos eine gute Geschichte erzählen kann (in einem Fotobuch).

Mir ist durch die Besprechung mit Sebastian, Kai und den anderen Teilnehmern sehr bewusst geworden, dass ich meine Geschichte, nicht die von Till erzählen muss, und das in einem Format, das eine sehr intime Auseinandersetzung mit dem Thema Depression ermöglicht. Die Handlung in einem Prozess, der Unsichtbares sichtbar macht und zeigt, welchen Weg ich hinter mir habe: Dass ich nur wegen mir selbst zwei Tage nach Köln gefahren bin. Das Konzept (2) steht damit also schon mal grob!

 
 
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