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Sechzig Minuten Reportage Teil 6: Waldgrüne Geschichten: Wo Telefonzellen zum Verweilen (und zu Selbstgesprächen) einladen

Manchmal sind es die scheinbar beiläufigen Gespräche, die uns zu den schönsten Entdeckungen führen. Ein Tipp von der Mitarbeiterin Hanna aus dem Vattercafe in Schwarmstedt (Moorstraße), kombiniert mit dem Hinweis der Kunsttherapeutin Sara Nina Strolo, die hier zu Hause ist, führten mich an den Ortseingang von Bevensen, aus Richtung Büren kommend. Ihr Versprechen: Hier steht ein Bücherschrank, der etwas Besonderes ist.


Was mich dort erwartete, war kein gewöhnlicher Bücherschrank, sondern ein liebevoll gestalteter Rückzugsort. Zwei ehemalige Telefonzellen, in ein sattes Waldgrün umlackiert, stehen dort idyllisch am Rande eines kleinen Begegnungsplatzes. Flankiert von zwei einladenden Sitzbänken entfaltet der Ort sofort eine klassische, fast entschleunigende Atmosphäre, die von spannenden Kontrasten lebt: Auf der einen Seite grenzt der Platz an einen Bolz-, Spiel- und Grillplatz, während sich auf der anderen Seite ein weites, goldgelbes Weizenfeld erstreckt, über dem sich am Horizont träge die Windkraftanlagen drehen. Es ist dieses Zusammenspiel aus dörflichem Leben und weiter Sommerlandschaft, das den Platz sofort erdet.


Bücher, Schatten und ein Telefon für die Seele

Besonders charmant ist der Humor, der in diesem Projekt steckt. Während die eine Zelle bis oben hin mit erstaunlich aktueller Leseliteratur gefüllt ist – der Tipp aus Schwarmstedt war goldwert! –, hat die zweite Zelle ihre ursprüngliche Form behalten. Wer sie betritt, findet dort tatsächlich noch ein altes, nostalgisches Wählscheibentelefon. Telefonieren kann man damit allerdings nicht mehr im klassischen Sinne: Ein Schild weist schmunzelnd darauf hin, dass dieser Apparat ab jetzt ausschließlich für Selbstgespräche geeignet sei. Ein herrlicher Gedanke an einem Ort, der ohnehin zur inneren Einkehr auffordert.


Auch wenn ich dieses Mal nicht die vollen sechzig Minuten meiner klassischen Reportage-Zeit ausgeschöpft habe, so reichte die knappe Stunde völlig aus, um die (Neben-)Geräusche dieses Platzes aufzusaugen. Es ist der perfekte Ort, um sich mit einem Kaffee und einem kleinen Frühstück – vielleicht frisch geholt aus dem Laden im benachbarten Mariensee (https://www.dorfladen-mariensee.de/) – in den Schatten zu setzen, die Ruhe zu genießen und in den Seiten eines neu entdeckten Buches zu versinken.


Die Ästhetik der Stille

Die Reportage lebt normalerweise von den Begegnungen, doch dieses Mal erzählte die Stille die Geschichte. In der Zeit, die ich dort verbrachte, öffnete niemand die waldgrünen Türen, um nach Lesestoff zu stöbern. Die einzige Bewegung in der frühen Sommerhitze war eine junge Frau, die mit ihrem Hund eine entspannte Runde um den Bücherplatz drehte.


Der Bücherschrank in Bevensen zeigt, wie aus ausgedienten Alltagsgegenständen Orte der Gemeinschaft und des Innehaltens werden können. Er ist ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt, den kleinen Hinweisen am Wegesrand zu folgen. Ich werde sicherlich wiederkommen – vielleicht mit etwas mehr Zeit, einem frischen Kaffee aus Mariensee und der Bereitschaft, das Wählscheibentelefon doch einmal für ein kurzes Selbstgespräch auszuprobieren.


Meine fotografischen Begleiterinnen: Canon 1Ds (2007) mit einem 40mm 2.8 Pancake und einer Nikon Coolpix 7000 (2010) Kompaktkamera

 
 

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